Die magische Beisetzung

Meine Mutter hat nicht selbst gewählt, ein Rudel Hunde zu betreuen. Es war eher die Idee meines Vaters. Er war aber berufsbedingt von morgens bis abends abwesend und so blieb die ganze Arbeit mit den Hunden an meiner Mutter hängen. Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass sie ziemlich erleichtert war als der letzte Hund aus dem Rudel meines Vaters sein irdisches Dasein beendete. Und gar nicht erstaunt war ich über ihre Reaktion, als ich Wanda bei mir aufnahm. «Jesses, Bub! Was tust du dir da an? Bist du sicher, dass du das willst?». Aber Wanda wäre nicht Wanda, hätte sie es nicht geschafft meine Mutter um den Finger zu wickeln und zu überzeugen. Und jedes Mal wenn ich bei meiner Mutter auf Besuch war, hockte sich Wanda neben sie und liess sich von ihr den Kopf kraulen. Deshalb hiess es auch plötzlich: «Mit Wanda hast du aber Glück gehabt! So ein toller Hund!». Meine Mutter mochte Wanda – und Wanda mochte meine Mutter.

Zur Beisetzung meiner Mutter wollte ich Wanda mit auf den Friedhof nehmen. Meine Brüder wären einverstanden gewesen damit. Ich entschied mich aber dann doch anders, weil Fajara damals schon bei mir war. Fajara hatte meine Mutter nur zwei Mal kurz gesehen und daher keinen besonderen Bezug zu ihr. Ich wollte sie für die Dauer der Beisetzung und des Leichenmals nicht allein lassen und so beschloss ich, am Folgetag mit beiden auf den Friedhof zu gehen. Während Fajara an diesem heissen Juni-Tag sich beim Friedhofskreuz im Kies eine Grube aushob, um sich hineinzulegen und der Dinge zu harren, setzte sich Wanda andächtig vor das Grab meiner Mutter. Nicht vor irgendein Grab – vor das Grab meiner Mutter! Und das noch bevor ich mich vor das Grab stellte, denn ich war ja noch beschäftigt mit Fajara. Wanda sass einfach vor dem Grab und schaute hinunter. Dann drehte sie plötzlich ihren Kopf und schaute nach hinten. Ich bekam Gänsehaut, denn Wanda schaute zu meinem Elternhaus, das in Sichtweite zum Friedhof steht.